Liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet

Am letzten Freitag wurde bei uns in Moabit eine neue liberale Moschee eröffnet. Gegründet wurde sie von der Frauenrechtlerin und Juristin Seyran Ateş.  Sie hat dafür einen Nebenraum der Johanniskirche in Alt-Moabit für ein Jahr gemietet. In der Moschee sind Frauen und Männer im gleichen Raum, das Gebet wird von einer Frau und/oder einem Mann geleitet.
Seyran Ateş möchte mit der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sowohl den Dialog innerhalb des Islam als auch zwischen den Religionen fördern. Ihr sind alle muslimischen Rechtsschulen willkommen: Sunniten, Schiiten, Aleviten und Sufis. Besonders nahe steht ihr der persische Sufimystiker, Dichter und Philosoph des 13. Jahrhunderts Celaleddin Rumi, dessen Mausoleum sich in Konya befindet.
zum Bericht im zdf-heute-journal vom 16.Juni 

Vor allem will die Menschenrechtlerin auch das Bild vom Islam in der Öffentlichkeit verändern.
Entstanden ist die Idee, eine liberale Moschee zu gründen, als Seyran Ateş von 2006 bis 2009 Mitglied der Deutschen Islamkonferenz (DIK) war. Als so genannte “Einzelperson” des öffentlichen Lebens hatte der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble die Frauenrechtlerin in das Gremium geholt. In dieser Zeit sei ihr klar geworden, dass vor allem der Staat und die Politik organisierte Ansprechpartner bräuchten. Das stehe zwar im Widerspruch zum Selbstverständnis im Islam, der keine repräsentierenden Organe kenne, aber sie sei zu der Überzeugung gekommen, dass sich liberale Muslime ebenfalls zusammentun müssten, wenn sie wahrgenommen werden wollten. Lange hatte Ateş gehofft, dass jemand anderes ihre Idee aufgreifen und eine liberale Moschee gründen würde. “Mir wäre es Recht gewesen”, sagt die Anwältin, die als Frauenrechtlerin schon häufig Morddrohungen erhalten hat, “ich wäre glücklich darüber, wenn ich jetzt nicht wieder den Kopf dafür hinhalten müsste, aber es hat kein anderer gemacht.”
Der Dialog mit dieser liberalen Richtung interessiert mich sehr. Ich warte auf die “Kultur- und Bildungsarbeit” der neuen Moschee, denn zum Beten möchte ich nicht unbedingt hingehen. Sicher werden sie auch Veranstaltungen und Gespräche für alle anbieten.

 

4 Gedanken zu „Liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet

  1. Susanne

    Zitat: “….aber es hat kein anderer gemacht.”
    Stimmt nicht ganz.
    Mal sehen, wie sich die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee von Seyran Ates entwickelt, zur Zeit gefällt mir dieser ganze Medien- und Politikerhype gar nicht.

    Denn es gibt es schließlich schon längst den Liberal-islamischen Bund in Köln von Lamya Kaddor, zu dem auch die Gruppe, die sich in der Refo Wiclefstraße trifft, gehört.
    https://lib-ev.jimdo.com/
    Hier ein Artikel in der Berliner Zeitung über die kleine Moabiter Gemeinde
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/liberaler-islam-in-berlin-wenn-bruce-lee-auf-fatima-trifft-27755724

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    1. Edith

      Hallo Susanne, als weniglesende Mitbürgerin habe ich einfach die ersten Infos genommen, die mir vor Augen kamen. Sicher hatte der Beitrag eiine “Schlagseite”, die mir selbst fern liegt.
      Aber lass uns mal abwarten, wie Du schon selbst sagst, wie sich diese Gemeinde entwickelt. Mir persönlich gefällt der Ansatz, Leute aller Konfessionen zur Beteiligung einzuladen. Eine neue Prophetin oder Sektenführerin ist Seyran Ates auf keinen Fall, und ebenso nicht jemand, der auf einer alleinseligmachenden Wahrheit besteht, und das spricht für die ganze kleine Gemeinde, der ich alles Gute wünsche.

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    1. Edith

      Der Artikel hat seinerseits auch eine deutliche Schlagseite: er ist einfach eine Polemik gegen die Moscheegründerin, weil sie von Politik und Medien benutzt würde. Das stimmt wohl, aber ich finde es besser, sich mit der Idee auseinanderzusetzen ohne sich gleich in die Falle des Tunnelblicks zu begeben und die konservativen islamischen Autoritäten zu verteidigen. Man kann doch die Ansätze der Entwicklung eines europäischen Islams beobachten (Liberaler Islamischer Bund) ohne gleich in Verteidigungsstellung zu gehen und solche Leute als falsche Propheten zu bezeichnen. Man braucht auch nicht Seyran Ates zu einer solchen aufzublasen, die der Assimilation das Wort rede. Assimilation an was? Trauen wir doch den liberalen MuslimInnen zu, dass sie selbst denken können!

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