Wer kennt schon das „Brüder-Grimm-Haus“?

Früher kannte es mit Sicherheit jedermensch vom Kind bis zu den Alten in Moabit! In der Turmstr.75 brummte das Leben:  unten in der Kinderbücherei war nicht nur buntes Getümmel, sondern auch die Fenster waren einladend gestaltet, enthielten Plakate mit interessanten Informationen, so daß nicht nur Familien, sondern alle davon angesprochen wurden.
Darüber befand sich das auch viel besuchte Heimatmuseum, das dank eines engagierten Leiters eine anschauliche Darstellung des (damaligen) Bezirks Tiergarten bot – Hauptattraktion: der Elch vom Hansaplatz, der bei Grabungsarbeiten dort ausgebuddelt worden war.

Noch darüber die Galerie Nord, die damals schon eher durch Leere glänzte  (davor befand sie sich am Lützowplatz, wurde aber nach einem deal zwischen dessen Leiter  und dem zuständigen Stadtrat nach der Renovierung des Hauses hierher verlegt).

Eines Tages wurde klammheimlich die Bücherei plötzlich geschlossen, und die Galerie zog in die Räume ein. Seitdem gähnt uns eine leere, eher abstoßende  als einladende Fensterfront an. Und auch drinnen ist es überwiegend leer, wenn nicht gerade eine  Vernissage stattfindet. Dann sieht man überwiegend junge, schwarzgekleidete, Sekt trinkende Menschen. Über 400m² zur kostenlosen Nutzung –  offensichtlich jahrelang ohne irgendwelche Auflagen! Erst seit 4 Jahren bezeichnet sie sich selber als „kommunale Galerie“ – aber was geht von hier aus für die Kommune? Ja, ich weiß, 1x im Jahr organisiert der Verein das „Inselglück – aber auch nur, wenn er hierfür entsprechende Gelder bekommt. Plakate, selbst über vom Bezirksamt gefürderte Veranstaltungen im Kiez, dürfen nun nicht mehr aufgehängt werden: das könne die Künstler „stören“. Aber warum gibt es nicht mal Informationen über aktuelle und geplante eigene Ausstellungen? Stattdessen sind oft wochenlang die Fenster verhängt.

Dann wurde es ruchbar, daß auch noch das Heimatmuseum geschlossen werden sollte. Hier regte sich zwar Widerstand, es gab eine öffentliche Protestveranstaltung.  Ein Verein organisierte sich, der aber leider auf die Idee verfiel, Vertreter politischer Parteien in den Vorstand zu wählen – sicher in der Hoffnung auf  deren Unterstützung. Aber diese sorgten eher dafür, die Schließung ohne größeres Aufsehen zu — befördern. Die Ausstellungsobjekte wurden in Kisten verpackt und dem Heimatmuseum in der Reinickendorfer Str. übergeben, wo sie überwiegend, na, wahrscheinlich im Keller landeten.

Und wo ist der Elch vom Hansaplatz eigentlich abgeblieben?

6 thoughts on “Wer kennt schon das „Brüder-Grimm-Haus“?

  1. Edith

    Ich habe herausgefunden, wo das Elchskelett jetzt ist, nämlich im Neuen Museum. Zur Geschichte siehe: http://blog.smb.museum/der-elch-vom-hansaplatz-im-neuen-museum/. Es scheint, dass es unglücklich durch die Museen irrt, und der jetzige Ort scheint mir auch nicht ganz passend. Nicht erwähnt wird vom Neuen Museum, dass der Elch einige Jahre in unserem Heimatmuseum Tiergarten ausgestellt wurde, als das Museum für Ur- und Frühgeschichte aufgelöst wurde. Aber ein Beitrag in der Berliner Zeitung vom 30.04.02 berichtet freudig darüber, dass der Elch vom Hansaplatz im Heimatmuseum Tiergarten wieder „zu Hause“ sei.

    Antworten
  2. Edith

    Liebe Autorin, wie geht es nun weiter? Was passiert mit dem Brüder-Grimm-Haus? Kannst Du die Entwicklungen weiter verfolgen?

    Antworten
  3. Edith

    Auf der ersten Seite von Moabitonline. das mir heute zugestellt wurde
    http://www.moabitonline.de/26384#comment-34905 – finden sich aufschlussreiche Kommentare
    zur „Misslungenen Bürgerbeteiligung beim Projekt »Brüder-Grimm-Haus«“. Die Dokumentation ist veraltet, gibt aber einigermaßen gut alles wieder, was bisher zu diesem Thema gesagt wurde. Womit ich sagen will, anstatt die ganze Geschichte nochmal mit eigenen Worten zusammenzufassen, können wir unsere geschätzten Leser*innen einfach auffordern, die Dokumentation bei Moabitonline zu lesen und dann mit uns zusammen neue Initiativen der Beteiligung zu ergreifen. Die Bürgerbeteiligung ist nicht misslungen und beendet, sondern eigentlich fängt sie jetzt erst an. Können wir über diesen Blog neue Mitstreiter*innen gewinnen?

    Antworten
  4. vilmoskörte

    Nun ja, zur Galerie Nord kann man auch eine ganz andere Einstellung haben als die Autorin des Artikels, die an einer ähnlichen Verzerrung der Sicht auf die Welt zu leiden scheint wie Herr Trump. Das Publikum bei den Ausstellungseröffnungen ist recht gemischt, besteht aber genau nicht aus den von Claudia (Nolting ?) angeführten „junge[n], schwarzgekleidete[n], Sekt trinkende[n] Menschen“. Sie erweckt mit Ihrer Unterstellung absichtlich den Eindruck, dass sich hier eine kleine Minderheit auf Kosten der Allgemeinheit sektschlürfend vergnügt.

    Selbstverständlich informiert der Kunstverein regelmäßig und ausführlich darüber, was wann in der Galerie Nord passiert, seien es Hinweise auf Vernissagen oder auf die regelmäßig stattfindenden Führungen durch die aktuelle Ausstellung; das geschieht auf seiner Homepage, per E-Mail (wenn man sich in den Verteiler hat eingetragen hat) oder auch über den Veranstaltungskalender von moabit-online. Man muss sich eben nur informieren wollen statt eine engstirnige Verweigerungshaltung einzunehmen.

    Ich bin jedenfalls froh darüber, dass es die Galerie Nord gibt und bin regelmäßiger Besucher der Ausstellungen – gelegentlich kaufe ich mir auch ein Glas Wein bei einer Vernissage und errege dann damit, dass ich mit einem Glas in der Hand zu sehen bin, den Unmut der Autorin.

    Antworten
    1. claudia

      tja, Michael Stahl, warum verbigst Du denn deine Verbalinjurien verschämt hinter einem Pseudonym? Sicher kann man eine andere Meinung über die Galerie haben, wenn man nichts entscheidend anderes vermißt (z.B. die Jugendbücherei, anregende Fenstergestaltung). Wem würde es denn schaden, wenn in den Fenstern Plakate über Veranstaltungen im Haus und im Kiez hingen? Es ist nun mal nicht jeder mensch internetaffin oder möchte nicht mit noch nem newletter zugeballert werden. Ich stelle nur fest, daß ich selten jemanden da drinnen sehe, und wünsche mir, daß bald dort wieder Leben einzieht!
      (Selbst das Modell vom geplanten Umbau des Hauses, in dem dies hoffentlich Wirklichkeit wird, hängt nun in der 1.Etage, wo es nur die VHS-Besucher*innen sehen.)
      Von einer „kommunalen Galerie“ erwarte ich eben mehr Engagement für den Stadtteil!

      Antworten
    2. Edith

      Hallo Vilmoskörte,
      ich verstehe die Autorin des Artikels, die der Jugendbibliothek und dem Heimatmuseum nachtrauert. Andrerseits habe ich weder Kinder noch Enkel und bin auch an der Galerie interessiert, deren Veranstaltungskalender ich beziehe und die ich gelegentlich besuche. Ihre Lage ist in der Tat ungünstig für das ganze Brüder-Grimm-Haus, das wäre die Bücherei aber auch gewesen.
      Nun besteht aber Hoffnung auf Besserung durch den geplanten Umbau des Hauses in ein zugängliches und übersichtliches Bildungs- und Kulturzentrum. Die Bürgerbeteiligung bei der Planung wurde gering gehalten, aber dennoch wurden von den Baupiloten und Stattbau drei akzeptable Vorschläge für den Umbau erarbeitet. Ich habe im letzten November für das Modell 3 votiert, welches insgesamt auch die meisten Stimmen bekam. In dem Modell ist der Raum der Galerie im Erdgeschoss zugunsten einer Agora in der Mitte reduziert, aber sie bekommt Ausstellungsflächen im Dachgeschoss dazu, wo es auch Ateliers geben soll. Mir erscheint die Lösung die beste, mit der viele zufrieden sein können, auch die Galerie und ihre LiebhaberInnen.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.